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[Holding Liat]

Brandon Kramer | USA 2025


Yehuda Beinin versucht zu telefonieren: langes Schweigen, ein lautes Flugzeug und Windrauschen. Seine Tochter Liat, Geschichtslehrerin mit dem Schwerpunkt auf Holocaustforschung und Mutter von drei Kindern, wird im Gazastreifen gefangen gehalten, von ihrem Mann Aviv fehlt jede Spur – das sind die Nachrichten für die Eltern im Oktober 2023. 

Wie in Extremsituationen reagieren?

Benjamin Netanyahu wird eingespielt: Das ist erst der Anfang, die Regierung will mit aller Härte gegen die Hamas vorgehen, koste es, was es wolle, droht dieser. Er hat den Traum eines jeden rechten Politikers, erklärt der Vater: Niemals eine Krise ungenutzt lassen, um die eigenen Pläne weiter voranzutreiben. Sie scheinen nur von Verrückten umgeben zu sein, sowohl von Seiten Israels als auch von Palästina: Frustriert schüttelt er den Kopf und beschließt, selbst etwas zu unternehmen – um die Hoffnung auf eine friedliche Lösung nicht ganz zu verlieren.


Filmbild aus Holding Liat © Brandon Kramer | USA 2025
Filmbild aus Holding Liat © Brandon Kramer | USA 2025

Sein jüngster Enkelsohn, der selbst an dem Tag des Überfalls vor Ort war und überlebte, findet da härtere Worte, denn er will nicht über die israelische Politik diskutieren, sondern einfach nur die Eltern zurück und den Tod der Täter – doch Yehuda Beinin ist schon zu lange unzufrieden mit der Entwicklung Israels. Wie kann nebeneinander koexistiert werden, wenn jede*r in Israel eine Person kennt, die von Palästinensern umgebracht wurde, genauso wie in Palästina jede*r eine Person kennt, die von Israelis umgebracht worden ist? Auch mit seiner zweiten Tochter diskutiert er, doch sie findet so energische wie ehrliche Worte: Sie will den politischen Arschlöchern in Israel auch nicht in ihren antifeministischen Arsch kriechen, aber manchmal ist Hilfe eben notwendig.

FAZIT

Es ist ein demokratischer Film, der viele unterschiedliche Meinungen empathisch beobachtet und zulässt. Dabei folgen wir überwiegend dem Vater, welcher eine klare Haltung aufweist: Natürlich passt es da auch ins Bild, dass die Haggada der israelischen Black Panthers – ein politisches Dokument, das von Mizrachim (Jüd*innen aus oft muslimisch geprägten Ländern) in Jerusalem verfasst wurde, um gegen soziale Ungleichheit, Diskriminierung und den Rassismus durch das aschkenasische Establishment (europäische Jüd*innen) zu protestieren – im Bücherregal steht und Diskussionen über die Nakba geführt werden. Damit wird der Film zu einem soliden Werk über unterschiedliche Blickrichtungen sowie Verarbeitungsmechanismen, von übergreifendem menschlichem Verständnis und Unverständnis – in Verzweiflung, aber auch mit Zuversicht zusammengesetzt.


«Holding Liat» feierte Weltpremiere auf der Berlinale 2025 und gewann dort den Preis als bester Dokumentarfilm. 


© Tina Waldeck 2025