––––––– resilienz.film –––––––
[Rückblickend betrachtet]
Mila Zhluktenko, Daniel Asadi Faezi | Deutschland 2025
Die Aufarbeitung beginnt, wenn sich aus den Ruinen ein anderes Format von Mensch erbaut. Intensive Töne, fragile Sätze, die mit einem zeitgemäßen, ausdrucksstarken und feinfühligen Ausmaß die Blicke zurück in das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München bewegen: Räumlichkeiten, die von 1970 bis 1972 von »Gastarbeitern« aus Italien, Jugoslawien und der Türkei mit aufgebaut werden. Die Zeiten überlagern sich und der Fokus wandert zu Semra Erkan, eine aus einer dieser »Gast«-Familien stammenden Aktivistin und Poeten, die sich aus Protest gegen den spürbaren Rassismus 1982 öffentlich in Hamburg anzünden wird.

Welche Auswirkungen haben solche Aktionen im gemeinschaftlichen Raum, wo keine gleichwertige Gemeinschaft im Aufbau ist – wie beeinflussen sie andere gesellschaftliche Entwicklungen? Als Reaktion drehte der iranische Direktor Sohrab Shahid Saless 1983 den Film »Empfänger unbekannt« – ab hier formt sich ein dekonstruktiver Film im Film heraus, mit einem bedachtsamen Blick in unsere Gesellschaft hinein.
FAZIT
Da, wo in den zeitlichen Abständen die gegenwärtigen Umstände mitschwingen, kann kein Abschweifen der Aufmerksamkeit stattfinden: Zu sehr wird der Raum mit den filigranen Nachforschungen und umsichtigen Farb- und Schriftsetzungen detailliert gefüllt. Der beengte Bereich des Kurzfilms wird gedehnt und erweitert, nicht nur mit höchst informativen, sondern auch mit erheblich emotional-poetischen Mehrwert nachhallend. Selten sind vierzehn Minuten so durchdringend fesselnd.
«Rückblickend betrachtet» feierte seine Weltpremiere auf der Berlinale 2025, wurde beim Deutschen Kurzfilmpreis 2025 als bester Dokumentarfilm bis 30 Minuten Laufzeit ausgezeichnet und konnte noch einmal (und sicher nicht zum letzten Mal) bei der KURZ.FILM.TOUR. auf dem Max Ophüls Preis 2026 gesehen werden.
© Tina Waldeck 2026